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Ute Mainz

Beim Barte des Weinhändlers

Beim Barte des Weinhändlers

Spannender Krimi von Ute Mainz: Doppelmord in Nideggen – ein Fall voller Abgründe

In der idyllischen Eifelstadt Nideggen wird die Idylle jäh erschüttert: Zwei Leichen, ein luxuriöses Anwesen und dunkle Geheimnisse. Kommissarin Karla Kost und ihr Ermittlerteam stehen vor einem brisanten Fall, der alles andere als gewöhnlich ist.

Während die Ermittlungen in der Villa des Mordopfers voranschreiten, kommen pikante Details ans Licht. War das erzkonservative Mordopfer wirklich so untadelig, wie es schien? Welche Rolle spielt die Ehefrau? Und was hat ein zwielichtiger Weinhändler mit der Tat zu tun?

Zwischen bröckelnden Fassaden und verborgenen Doppelleben entfaltet sich ein nervenaufreibender Kriminalfall, der Leserinnen und Leser von der ersten bis zur letzten Seite in Atem hält.

Ein fesselnder Eifel-Krimi mit überraschenden Wendungen und tiefen Abgründen.

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Seiten: 180

Ute Mainz

ISBN:978-3-96123-134-8

Seiten: 180

Normaler Preis €15,00 EUR
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Ute Mainz

Ute Mainz wohnt seit über sechzig Jahren mit ihrer Familie in der Nordeifel und fühlt sich mit diesem Landstrich und den hier lebenden Menschen eng verbunden. Das spürt man auch in ihren unterhaltsamen Kriminalgeschichten, denn sie lässt die Leserinnen und Leser an den lokalen Besonderheiten teilhaben, die diesen manchmal etwas rauen Landstrich so liebenswert machen. Gemeinsam mit Dirk Neuß und Stefan Herbst von EifelDrei.TV entwickelte sie die Krimi-Reihe »Steling«, deren erster Band nun im Eifeler Literaturverlag erscheint.

Leseprobe

Lilly schlenderte über den Marktplatz, auf dem seit gestern allerhand Hütten standen. Auch die angren­zenden Straßen waren zwecks Budenzauber zu Fußgänger­zonen deklariert worden. Zwar nur für dieses Wochenende, aber diesen Eifeler Herbstmarkt gab es schon seit Jahrzehn­ten – hatte sie sich von ihrer Freundin Steffi sagen lassen, und die musste es wissen. Steffis Familie hatte angeblich noch nie diesen Ort dauerhaft verlassen.
Lilly hatte, bevor sie vor knapp sieben Jahren mit ihrem Mann in diese Kleinstadt gezogen war, in Hamburg und Düsseldorf gewohnt. »Das werden jetzt sieben Jahre!«, dachte sie fast schon emotionslos. »Mit Mitte dreißig von der Großstadt in dieses Kaff.«
Jetzt konnte sie sich kaum mehr daran erinnern, was denn letztendlich den Ausschlag gegeben hatte, diese Kleinstadt in der Eifel für den Rest ihres Lebens zu wählen. Die Liebe zu Helmuth, vielleicht, aber die war ja nun auch schon ziemlich eingeschlafen. Obwohl, das musste sie einräumen, Geld macht sexy.
Mit ihren trüben Gedanken wurde sie eins mit dem miesen Wetter. Ähnlich wie die verstummten Vögel, die sich bei dem kalten Hochnebel nicht blicken ließen, träumte Lilly einen immer wiederkehrenden Tagtraum. Den der Vögel kennen wir nicht, aber ihrer handelte von dem Prinzen, der sie endlich aus dieser Misere retten würde.
Helmuth konnte es jedenfalls nicht mehr. Lilly war es mittlerweile sogar zuwider geworden, seine überdimensi­onal großen Hemden zu bügeln, seine Socken zusammen­zurollen, von denen andauernd ein Gegenstück fehlte und gegen den Geruch selbst der beste Weichspüler nicht an­kam, oder – noch schlimmer – seine Unterhosen zu falten, die sie immer, warum wohl, an diverse Säcke denken ließ.
Von anderen Dingen ganz zu schweigen!
Lilly trottete weiter.
Heute zog eine einfache Kirmes mit Flohmarktcharakter und Elementen eines südländischen Marktes die Eifeler Bevölkerung an wie ein Magnet. Denen war es auch völlig egal, dass es seit Tagen leicht nieselte und somit das südländische Flair doch nicht so richtig durchkommen wollte. Die neugierigen Kunden schoben sich an den Ständen mit Pa­radiesäpfeln, Lammfellen, Lederwaren und Vogelhäuschen vorbei. Handschuhe für den nahenden Winter wurden ge­nauso angeboten wie Reibekuchen und Fettgebäck.
Hatte sie das hier wirklich mal schön gefunden? War das jetzt der Ersatz für die Kö in Düsseldorf oder die Möncke­bergstraße in Hamburg? Sie schüttelte gedankenverloren den Kopf. »Was für ein Scheißleben!«
Plötzlich trat eine Veränderung ein, denn Lilly sah ihn! Wie eine Traube standen die Besucher vor dem blauen Ver­kaufswagen. Den hatte sie noch nie vorher hier entdeckt!
Festzeltgarnituren und Stehtische standen davor, alle besetzt mit fröhlichen Menschen die edle, langstielige Wein- oder Sektgläser in den Händen hielten. Als ob sie sich alle gegenseitig kannten, unterhielten sich die Leute über Tische hinweg und hatten irrsinnig viel Spaß. Vorsichtig ging Lilly auf den blauen Anhänger zu. An der langen Seite war eine Verkaufstheke heruntergeklappt, und etwas erhöht stand der Weinhändler. Wie der Pfarrer auf der Kanzel nahm der Lümmel den Raum des Marktwagens ein und erklärte seine Weine.
Zunächst starrte Lilly auf den gewaltigen Bart. Und dann sah sie die lustigen Augen, mit denen der Weinhändler ihr herzlich zuzwinkerte. Noch ehe Lilly sich versah, hatte sie selber eins dieser edlen Sektgläser in der Hand.
»Man nennt mich Lümmel.«, stellte sich der Weinhänd­ler breit grinsend vor. Lilly verschlug es den Atem. Unfä­hig zu antworten, bemerkte sie eine angenehme Wandlung in ihrem Inneren. Dazu genügte ein prickelnder Secco und die warme Stimme des Weinhändlers, die sie ihre Wehmut vergessen ließen. Als ob sie mit dem Glas eine Eintrittskar­te zu einer neuen Welt in der Hand hielte, gehörte sie jetzt dazu. Irgendjemand bot ihr einen Sitzplatz an, jemand an­ders ließ sie von seiner Käsepatte naschen, die Seccoflasche kam wie ein UFO auf sie zu und füllte ihr Glas erneut. Das wiederholte sich einige Male, bis Lilly sich plötzlich neben dem Weinhändler in dessen Verkaufswagen wiederfand, wo sie half, die Gläsermassen zu spülen. Dabei waren die Lippenstiftreste das schlimmste. Komisch, darüber hatte sie sich noch nie Gedanken gemacht.
»Lilly, was machst Du denn hier?«, hörte sie eine bekann­te Stimme, die sie in die Wirklichkeit zurückholte. Sie blickte auf und sah in Steffis fragendes Gesicht. »Weiß Helmuth von Deinem kleinen Nebenjob? Ich kann mir kaum vorstel­len, dass ihm das gefallen würde!«
»Brauchst ihm ja nichts zu verraten.« Lillys Aussprache war nicht mehr hanseatisch gestelzt, sie lallte leicht.
Der Weinhändler mischte sich ein: »Die Damen kennen sich. Das ist toll, ich mag befreundete Frauen. Hier!«, und damit reichte er Steffi ein edles Glas Secco über die Theke, »Trink mal mit uns auf einen stressfreien Tag, Ärger gibt es in der Welt schon genug!«
»Nee danke, vor dem Mittagessen bestimmt nicht.« Steffis Ton war ziemlich gereizt.
»Drüben gibt’s Currywurst.« Mit einer ausladenden Geste zeigte der Weinhändler auf den Stand gegenüber.
Angewidert blickte Steffi sich um. »Bloß nicht, ich bin Veganerin!« Steffi ignorierte das Sektglas und verließ de­monstrativ den Stand.
Der Weinhändler beugte sich zu Lilly und fragte leise: »Ist diese Spaßbremse etwa Deine Freundin? Und wenn ja, ich habe es ja immer schon gewusst: Woran erkennt man den Veganer? Gar nicht, denn er wird es Dir erzäh­len, schneller als du es selber willst!« Dabei grinste er breit. Lilly konnte es kaum fassen. Endlich ein Mann mit ihrem Humor, endlich mal wieder mit anderen anstoßen, endlich mal wieder einen kleinen Schwips, der nicht im Bett mit Helmuth endete.